Top-Ten-Trends Wissenschaftlicher Bibliotheken

Im neuesten Heft von BuB : Forum Bibliothek und Information (64.2012, H. 01, S. 18f.) wird über den Dritten Schleswig-Holsteinischen Bibliothekstag im letzten September in Norderstedt berichtet. Im Hauptvortrag (neudeutsch oft „keynote“ genannt) behandelte der Referent Helge Steenweg aus der UB Kassel den WB-Schwerpunkt „Open Access“. Aber auf dieses Thema möchte ich gar nicht hinaus, am Ende des Abschnitts wird noch erwähnt, er habe einen Überblick über die Top Ten-Trends wissenschaftlicher Bibliotheken gegeben, und dann wird in Klammer die Adresse http://crln.acrl.org/content/71/6/286.full: angegeben. Diese Web-Adresse macht einen neugierig, und ja: Dahinter verbirgt sich der Artikel „2010 top ten trends in academic libraries : A review of the current literature“ des ACRL Research Planning and Review Committee (College & Research Libraries News, vol. 71.2011 no. 6 S. 286-292), der in der Tat diese Trends behandelt. Die herausgebende ACRL, Association of College and Research Libraries ist ein Unterverband der ALA, American Library Association. „Research Libraries“ im Besonderen sind ja nun sehr viel näher an One-Person Libraries dran als Wissenschaftliche Bibliotheken im Allgemeinen, und so möchte ich gerne in den nächsten 10 Wochen diese Trends kurz referieren und dann auf den OPL-Hintergrund beziehen.

Trend 1: Academic library collection growth is driven by patron demand and will include new resource types

„driven by patron demand“ – das klingt nach einem Gegensatz zu einem planmäßigen Bestandsmanagement, wie es Universal- und Öffentliche Bibliotheken kennen. Für OPLs ist es aber meist nichts Neues, da hier meist schon immer Knappheits-Gesichtspunkte eine Rolle spielten und unter den Rahmenbedingungen der Knappheit richtet man den Bestandsaufbau weitaus eher auf Benutzerbedürfnisse aus als sonst. Und meist ist dies bereits institutionell so geregelt, dass der Bestandsaufbau von der Leitung der Trägerorganisation oder von einzelnen Abteilungen/Projekten/Referenten erledigt werden. – Übrigens klingt dieser Satz auch nach „patron driven aquisition“, das zunehmend diskutiert wird, vgl. beispielsweise den Eintrag und die Kommentare bei netbib.

„will include new resource types“ – das freilich ist ein Effekt, der One-Person Libraries Probleme macht und noch machen wird. Die Märkte von elektronischen Ressourcen sind nicht auf kleine Einheiten, sprich: auf Aufwand bei der Distribution der Produkte eingestellt. Also bleiben OPLs, die nicht größeren Verbünden (wie z.B. die Forschungsgemeinschaften oder verschiedene Niederlassungen von Kanzleien und Beratungsfirmen), oft auf der Strecke und damit wird es schwierig mit der Zukunftsfähigkeit der Bibliothek, wenn die Benutzer die Medien anderswo besorgen als in der Bibliothek. Man kann als Beispiel die Beschaffung von eBooks nennen, die äußerst schwierig bis aufwändig ist, wie z.B. die Diplomarbeit von Ulrike Lengauer, E-Books in Spezialbibliotheken (kostenloser Download hier) zeigt. – Bleibt zu hoffen, dass Vertriebsmodelle von eRessourcen, in denen die Buchgrenzen aufgeweicht, der Inhalt zumindest recherchier-, wenn nicht lesbar ist (wie z.B. beim Angebot von PaperC oder bei Google Books) sich durchsetzen, mit deren Hilfe man für die Nutzer Inhalte wieder recherchieren und gezielt kaufen kann, ohne große Pakete einkaufen zu müssen…

Man sieht anhand dieser beiden Punkte, dass es OPLs einerseits ein wenig leichter haben als andere Wissenschaftliche Bibliotheken, mit Knappheit und Benutzerorientierung zurecht zu kommen, dafür trifft sie der Medienwandel um so mehr. Vielleicht helfen bei der Bewältigung von letzerem weitere Entwicklungen des Marktes, andernfalls wird man sich bei der Erwerbung etwas einfallen lassen müssen, beispielsweise neue Kooperationen mit anderen Bibliotheken, um das gemeinsam bewältigen zu können. Hier haben Universalbibliotheken mit den Konsortialvereinbarungen und -verbünden wiederum die längere Erfahrung …

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